Restaurierung des Hauses:
zuletzt im Herbst 2009 (Wichtig: unsere Gäste waren davon weder betroffen noch beeinträchtigt. Wir wollen nur als Beispiel zeigen, was alles - auch - gearbeitet wurde.)
1. ) Zwei Schlafzimmer im Haupthaus: Freilegen der Natursteinwände
|
|
![]() |
![]() |
| Putz abschlagen, Wand freilegen: Unser Mann der Tat! | Dreck entfernt, Seitenränder mit der Verfugung begonnen | Schlafzimmer 2 im neuen Glanz: Morgensonne bei geöffneten Fensterläden |
![]() |
![]() |
![]() |
| Die freigelegte Natursteinwand, bereits an einigen Stellen ergänzt. | Es wurden drei Öffnungen gefunden. Das alte Fenster haben wir als Nische erhalten. | Schlafzimmer 2 im Endzustand, Wände und Balken frisch gestrichen. |
2. Außenfassade restaurieren
![]() |
![]() |
|
| An der Außenfassade werden die Natursteine ergänzt, die alten Fugen entfernt und komplett neu verbandelt. Zum Glück hatten wir auch im Spätherbst wunderbaren Sonnenschein, der diese schwere Arbeit erleichtert hat. | Die Arbeit geht auch um die Ecke. Der ENEL-Kasten wurde sehr präzise erneut eingeputzt. Der alte Pfusch der alten Mauerer ausgeglichen. Diesmal haben wir zuverlässige Handwerker mit Ehre im Leib angetroffen. |
Trotz meiner täglich mehrfachen Putzarbeiten: Es war abends Zeit für Lektüre und Verdicchio. Das Nachbarfeld wird zu einem Nuss- und Mandelgarten gewandelt. Damit nur Zweibeiner ernten, ist der Zaun notwendig. |
Wir haben das Haus in mehreren Phasen mit dem Komfort des 21. Jahrhunderts restauriert:
A ) Grundsanierung 1996
Zuerst - nach dem Kauf des damals unbewohnten Hauses: ohne Wasser, Strom und Heizung. Der Kostenvoranschlag wurde weit überzogen. Kurz nach unserem Einzug hat uns dann ein Erdbeben erwischt ((Herbst 1997, in Deutschland bekannt durch die Zerstörungen in Assisi) und die "neuen" Maurerarbeiten zunichte gemacht. Das Anwesen wurde als unbewohnbar erklärt! Offenbar hat der alte Geometer damit ein neues Geschäft gewittert. Das Vertrauen in seine Kompetenz hatten wir jedoch komplett verloren, da seine hohen Kosten - bereits im Vorfeld - nicht gerechtfertigt waren. Aber einen Bauprozess in Italien führen? Das hätte wohl noch unsere Kinder beschäftigt.
Den Wasseranschluß darf man sich nicht einfach als "schnell mal die gemeindliche Leitung aufgraben und dann das Haus anschließen" vorstellen. Wir liegen zwar in einem Gemeindegebiet, aber das hieß nicht, dass deswegen bei uns eine Wasserleitung vorbeiführt. Wir standen vor der Alternative:
- Brunnen bohren (wir liegen 500m hoch, ab wann kommt dann Wasser und reicht es auch in trockenen Monaten?) Wann sitzen wir im Trockenen? Wer überwacht die Qualität des Wassers?
- Regenwasserzisternen (wie lange reicht auch hier in trockenen Sommern das Wasser?) Wie sparsam müssen wir umgehen? Wohin kommt die Zisterne? Wir hatten teilweise nur felsigen Boden, wer gräbt hier wie das tiefe Loch?
- oder: neue Leitung mit Pumpwerk, Zwischenstation bis zum Haus und zusätzlichen Vorratsbehältern legen lassen. Das war dann unsere Lösung. Wir wollen einfach die Sicherheit, dass im Sommer, wenn der Wasserdruck aus Arcevia geringer ist, stets Wasser vorhanden ist. Leben im Naturpark schön und gut, aber eine funktionierende Dusche war uns ebenfalls wichtig.
B ) Wiederaufbau und italienisches Versprechen !
Nach langem Überlegen und mehreren Lösungsvorschlägen, die teilweise irrwitzig waren: Wir sollten z.B das Dach beschweren lassen - wir waren der Meinung, dass zuerst mit einem stabilen Fundament begonnen wird. Darin haben uns auch Fachleute aus Deutschland bestärkt. Die Regeln der Schwerkraft gelten auch in Italien! Wir haben eine zweite Sanierung und Restaurierung vorgenommen/vornehmen müssen - nach allen Regeln der Technik und der Kunst.
Zum Kauf des Grundstücks mit dem damals unbewohnten Haus haben wir uns wegen der panoramischen Lage und des alten Baumbestands entschlossen. Das wollten wir erhalten und nicht mehr verlieren. Seither vermieten wir, auch um zu unterstützen, dass damit ein Beitrag zu den laufenden Unterhaltskosten erfolgt. Wir liegen jetzt auch im Naturpark - was die Ruhe unterstützt - fern vom Verkehslärm. Das hat aber auch zu sehr hohen Kosten für Wasser, Strom und Zufahrt geführt. Komfort kostet leider und ist in Euros zu begleichen.
Wir sollten - nach dem Erdbeben - vom Land (Italien + EU) und der Region (Marche) finanzielle Entschädigung erhalten, wenn das Haus (wieder) erdbebensicher aufgebaut wird. Das alles haben wir zusammen mit einem Bauingenieur zu hohen Kosten und mit großem Aufwand erreicht. (Dies bedeutet u.a. neue, sehr starke Fundamente, sichtbar im Untergeschoss; Beton- und Stahlinjektionen in den Hauswänden, neue Zuganker, Verstärkung der alten Zuganker.) Allein, die staatliche Entschädigung blieb aus! Zum Glück war in den Marken das damalige Unglück nicht so groß wie in L` Aquila. ... und wir haben den Beweis, dass unser Haus wirklich erdbebensicher ist. Das Beben vom 20.09.2009 hat nur wenige kleine Mörtelbrösel fallen lassen. Die Versprechungen (schriftlich) der Politiker auf Entschädigung sind jedoch nicht eingetroffen. Nur das meinen wir mit "italienischem Versprechen". Mit den neuen Handwerkern und mit sehr vielen Nachbarn, die zu Freunden geworden sind, haben wir sehr positive Erfahrungen erlebt.
C) Ausbau des Appartements 2009
Seit 2009 nehmen wir einen dritten Aus- und Umbau vor, um ein Appartement einzurichten, um für die Belezza (=Schönheit von außen) und das Auge gefälliger zu werden. Wir achten wieder auf die allergikergerechte/allergikerfreundliche Ausbauweise. (d.h. dass z.B. unsere Decken und Wände nicht mit Silikon besprüht sind, um den Staub zu binden. Unsere Balken werden - von uns - gestrichen, nicht mit Gift besprüht, etc.)
![]() |
![]() |
![]() |
|
Vorbereitete Terrasse mit direktem |
Quittenbaum im Garten Nov 09. Das Gelee muss schon sehr gut werden, damit sich der Aufwand lohnt. |
Spätere Terrasse vor dem Appartement.
|
D) Unser "Gewinn"
Was bedeutet so ein Ausbau für uns? Wir stecken nicht nur unsere Ersparnisse in dieses kleine private Konjunkturprogramm, sondern wir verbringen auch unsere Freizeit auf der "Baustelle". So bin ich im Oktober zum Haus gefahren, habe zusammen mit diesem wirklich sehr liebenswürdigen Mauerer zwei Zimmer ausgeräumt, die Fußböden abgedeckt und mich nicht über den Staub gefreut. Putzabschlagen ist leider immer mit sehr viel Dreck verbunden! Haarfestiger war nicht mehr notwendig! Dieser feine Staub kriecht außedem in alle Ritzen (trotz verklebter Türen, Nylon etc.). Ich habe also täglich mehrfach nass gewischt, mich aber auch an der herrlichen Herbstsonne erfreut. Diese Maurer haben sehr sorgfältig gearbeitet, kaputte Steine ersetzt, eingefugt mit Mörtel, jede einzelne Fuge (es sollte ja eine sichtbare Natursteinwand sein) mit einem Spezialmörtel verfugt, antrocken lassen, abreiben und verbandeln, Abfalls wegtragen, korrekt entsorgen! Danach wieder sehr viel Putzarbeit für mich ... . und mein Verbrauch an Handcreme stieg ebenfalls. Danach die Innen-Wände neu streichen, diesmal auch die Balken (wieder) neu einlassen, die Möbel zurücktragen, wieder putzen, fotografieren und hier ins Internet stellen. Ich habe immer noch nicht den passenden Zauberspruch gefunden, damit es einfacher geht! Das war aber nur die Arbeit für zwei Schlafzimmer.
Bei einem zweiten Aufenthalt habe ich die Steine für den Marchiapiede /=eigentlich Fußweg rund ums Haus gelegt, auf die Terrassen verteilt und den Erdaushub im Garten ausgebracht, einen Quittenbaum gesetzt. Die weiteren Oleander (es sind schon sehr viele gesetzt, wir ziehen sie in Deutschland vor, damit die Chance zum "Überleben" größer wird. Manchmal retten wir auch welche aus der dt. Nachbarschaft vor dem Müll!) warten noch in großen Kübeln auf das Frühjahr, es hat mir für die tiefen Erd-Löcher einfach die Muskelkraft gefehlt! Das gilt auch für zwei große Duftrosenstöcke (Cordes), die wegen des Fußwegs um das Haus provisorisch "verlegt" wurden.
Gewonnen haben wir aber immer an Freude und Kraft. Wir schätzen die vielen Gespräche mit der Nachbarschaft , mit den Handwerkern, mit Empfehlungen aus der Bar, die Auswahl beim Baugeschäft. Die vielen kleinen und auch großen Gesten, die wir von unseren Nachbarn erfahren. Wir lernen die Sprache und einen etwas anderen Kulturkreis kennen. Und der weite Blick hat uns schon sehr oft für die harte Arbeit entschädigt. Schade, dass es auch Neid hervorruft.
... und dann gibt es auch noch unsere oftmals sehr netten Gäste, die z.B. Honig hinterlassen, Eidechsen vor dem Ertrinken in der Gartengießwassertonne durch ein Stück Hasendraht retten, den Grill sauber hinterlassen, die Tomaten gießen und die Pflanzen "besprechen"...










